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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 05 / Gesellschaftswissenschaften  → Fachgruppe Geschichte  → Neuere und neueste Geschichte  → Dissertationen 

Please use this identifier to cite or link to this item: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-1189

Titel: Das Arbeitserziehungslager Breitenau (1940-1945). Ein Beitrag zum nationalsozialistischen Lagersystem
Autor(en): Richter, Gunnar
Schlagworte (SWD): ArbeitserziehungslagerZwangsarbeitGeheime StaatspolizeiKasselNationalsozialistisches VerbrechenEntnazifizierungGedenkstätte
Klassifikation (DDC): 900 - Geschichte (Geography and history)
Issue Date: 31-Aug-2004
Zusammenfassung: Die Dissertation befasst sich mit der Geschichte des Arbeitserziehungslagers (AEL) Breitenau, das 1940 von der Gestapostelle Kassel auf dem Gelände der Landesarbeitsanstalt Breitenau in Guxhagen gegründet wurde und bis zum Kriegsende bestand. Darüber hinaus wird auch der Frage nachgegangen, wie nach der NS-Zeit mit der Geschichte des Lagers, den Opfern und den Tätern umgegangen wurde. Die Dissertation ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil gibt einen Überblick über die Geschichte der Geheimen Staatspolizeistelle Kassel, der das Lager unterstand und die als zentrale Verfolgungsbehörde für den Regierungsbezirk Kassel zuständig war. Dabei wird vor allem aufgezeigt, wie die Gestapostelle Kassel entstanden ist, wie sie aufgebaut war und wer die Leiter und Mitarbeiter während des Zweiten Weltkrieges waren, die die Verfolgungsmaßnahmen organisierten und durchführten. Der zweite Teil der Dissertation befasst sich mit der eigentlichen Lagergeschichte. Breitenau war eines der ersten Arbeitserziehungslager überhaupt. Die Hauptfunktion bestand darin, ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die sich dem Arbeitseinsatz widersetzt hatten, durch harte Bestrafung gefügig zu machen. Gleichzeitig wurden in das AEL aber auch deutsche und ausländische Gefangene eingewiesen, die aus politischen, rassischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verhaftet worden waren. Das Lager unterstand zwar der Geheimen Staatspolizei Kassel, wurde aber von den Bediensteten der Landesarbeitsanstalt mit geleitet. Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges waren im AEL Breitenau etwa 8.300 überwiegend ausländische Schutzhaftgefangene inhaftiert, unter denen sich ca. 1.900 Frauen und 6.400 Männer befanden. Bei den Einweisungen wirkten neben der Gestapostelle Kassel und der Gestapostelle Weimar zahlreiche Orts- und Kreispolizeibehörden mit, wodurch ein flächendeckender Verfolgungsapparat entstand. Insgesamt lassen sich über 1.000 letzte Wohnorte von Gefangenen ermitteln. Die Haft- und Lebensbedingungen im Lager waren vor allem für die ausländischen Gefangenen besonders unmenschlich, und es gab mehrere Todesfälle. Nachweislich wurden mehr als 750 Gefangene in Konzentrationslager deportiert, was für viele den Tod bedeutete. Außerdem wurden mindestens 18 polnische Gefangene von Angehörigen der Gestapo Kassel erhängt und noch unmittelbar vor Kriegsende ein Massenmord an 28 Gefangenen verübt. Erst mit dem Einmarsch der amerikanischen Soldaten am Ostersamstag 1945 wurde das Arbeitserziehungslager Breitenau endgültig aufgelöst. Im dritten Teil der Dissertation wird der Frage des Umgangs mit dem damaligen Geschehen nachgegangen. Dabei lässt sich feststellen, dass die Täter und Mittäter von deutschen Spruchkammern und Gerichten gar nicht oder kaum bestraft wurden. Gleichzeitig wurden ihnen verschiedene Möglichkeiten geboten, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Die ehemaligen Gefangenen hatten dagegen keinen Anspruch auf Entschädigung, und auch eine gesellschaftliche Würdigung wurde ihnen versagt. Erst seit den 90er Jahren trat hier eine Veränderung ein, die allerdings für viele Verfolgte zu spät kam. Die Geschichte des Arbeitserziehungslagers Breitenau war viele Jahre verdrängt worden. Das Gelände diente bis 1949 als Landesarbeitsanstalt, dann als geschlossenes Erziehungsheim, und seit 1974 besteht dort eine psychiatrische Einrichtung. Erst 1979 wurde durch ein Forschungsprojekt an der Gesamthochschule Kassel die NS-Geschichte „wiederentdeckt“ und 1984 die Gedenkstätte Breitenau eingerichtet, die als Gedenk- und Bildungsort an das damalige Geschehen erinnert.This thesis concerns the history of the re-education-by-labour camp [Arbeitserziehungslager] Breitenau, founded in 1940 by the local Gestapo in Kassel within the walls of the regional correctional institution of Breitenau in Guxhagen and maintained until the end of the war. Furthermore, post-war attitudes to the history of the camp are investigated, as are the ways victims and perpetrators were treated. The thesis is organised in three parts, the first providing a survey of the history of the Secret Police [Gestapo] office at Kassel which was in charge of the camp and had the role of central persecution authority for the district of Kassel. Special attention is given to how the Kassel Gestapo office came into existence, how it was structured, and who the directors and staff were who organised and carried out the persecution activities during WW II. The second part is concerned with the camp’s history as such. Breitenau was one of the first re-education-by-labour camps. Its main purpose was to discipline by means of harsh punishment those foreign workers who had resisted forced labour. At the same time, the camp held German and foreign prisoners arrested for political, racial, religious or ideological reasons. Although the camp was under Gestapo authority, it was co-managed by the staff of the correctional institution. During WW II, about 8300 mostly foreign persons were held at the Breitenau camp, including ca. 1900 women and 6400 men. They were sent there by the Gestapo offices of Kassel or Weimar, or by one of the many local and regional police authorities involved in what must be seen as a comprehensive apparatus of persecution. Prisoners came from more than 1000 places of last residence. Conditions in the camp were inhumane, especially for the foreigners, and several inmates died there. More than 750 inmates where deported to concentration camps which meant death for many of them. Furthermore, at least 18 Polish prisoners where hanged by members of the Gestapo Kassel, and 28 prisoners were massacred immediately before the end of the war. Only when American troops invaded on the Saturday before Easter 1945, the re-education-by-labour camp of Breitenau was finally dissolved. In the third part of the thesis, the question of how those events where dealt with after the war is put, and it’s shown that the perpetrators and their collaborators were not punished at all or very leniently by German tribunals and courts, whilst various possibilities of integrating into society were offered to them. The former prisoners, however, had no rights to compensation, and they were not granted social recognition. This situation lasted until the Nineties, and when attitudes finally changed, it was too late for many of the victims. The history of the re-education-by labour camp of Breitenau was passed over for many years. The site was used as a correctional institution until 1949, as a secure educational facility thereafter, and from 1974 as a psychiatric institution. Its earlier history was „rediscovered“ in 1979 by a research project at Kassel University, and in 1984 the Breitenau memorial was set up, to commemorate those events and educate about them.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-1189
Bemerkungen: Die überarbeitete Fassung dieser Dissertation erschien 2009 im Verlag Winfried Jenior (www.jenior.de). - Online-Veröffentlichung s. urn:nbn:hebis:34-2011120539885
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