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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 01 / Humanwissenschaften  → Institut für Erziehungswissenschaft  → Erziehungswissenschaft Schwerpunkt Allgemeine Pädagogik   → Dissertationen 

Please use this identifier to cite or link to this item: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2009032426765

Titel: Incident-Reporting-Systeme als Möglichkeit zum organisationalem Lernen (nicht nur) aus Fehlern und kritischen Ereignissen
Sonstige Titel: Chancen, Barrieren und Gestaltungsansätze für Berichts- und Lernsysteme im Krankenhaus
Autor(en): Vegten, Mandy Amanda van
Schlagworte (SWD): Organisationales LernenRisikomanagementKrankenhausSicherheitPatient
Klassifikation (DDC): 650 - Management (Management and auxiliary services)
Issue Date: 24-Mar-2009
Zusammenfassung: Die vorliegende Dissertation betrachtet institutionsinterne lokale (Critical-)Incident-Reporting-Systeme ((C)IRS) als eine Möglichkeit zum Lernen aus Fehlern und unerwünschten kritischen Ereignissen (sogenannte Incidents) im Krankenhaus. Die Notwendigkeit aus Incidents zu lernen, wird im Gesundheitswesen bereits seit den 1990er Jahren verstärkt diskutiert. Insbesondere risikoreichen Organisationen, in denen Incidents fatale Konsequenzen haben können, sollten umfassende Strategien erarbeiten, die sie vor Fehlern und unerwünschten Ereignissen schützen und diese als Lernpotenzial nutzen können. Dabei können lokale IRS als ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements und freiwillige Dokumentationssysteme im Krankenhaus ein Teil dieser Strategie sein. Sie können eine Ausgangslage für die systematische Erfassung und Auswertung von individuellen Lerngelegenheiten und den Transfer zurück in die Organisation schaffen. Hierfür sind eine lernförderliche Gestaltung, Implementierung und Einbettung lokaler IRS eine wichtige Voraussetzung. Untersuchungen über geeignete lerntheoretisch fundierte und wirkungsvolle IRS-Modelle und empirische Daten fehlen bisher im deutschsprachigen Raum. Einen entsprechenden Beitrag leistet die vorliegende Fallstudie in einem Schweizer Universitätsspital (800 Betten, 6.100 Mitarbeitende). Zu diesem Zweck wurde zuerst ein Anforderungsprofil an lernförderliche IRS aus der Literatur abgeleitet. Dieses berücksichtigt zum einen literaturbasierte Kriterien für die Gestaltung und Nutzung aus der IRS-Literatur, zum anderen die aus der Erziehungswissenschaft und Arbeitspsychologie entlehnten Gestaltungsbedingungen und Erfolgskriterien an organisationales Lernen. Das Anforderungsprofil wurde in drei empirischen Teilstudien validiert und entsprechend adaptiert. In der ersten empirischen Teilstudie erfolgte eine Standortbestimmung der lokalen IRS. Die Erhebung erfolgte in vier Kliniken mittels Dokumentenanalyse, leitfadengestützter Interviews (N=18), sieben strukturierter Gruppendiskussionen und teilnehmender Beobachtungen über einen Zeitraum von 22 Monaten. Erfolgskritische IRS-Merkmale wurden identifiziert mit dem Ziel einer praxisgerechten lernförderlichen Systemgestaltung und Umsetzung von Incident Reporting unter Betrachtung von organisationalen Rahmenbedingungen, Lernpotenzialen und Barrieren. Die zweite Teilstudie untersuchte zwei Fallbeispiele organisationalen Lernens mittels Prozessbegleitung, welche zu einem verwechslungssicheren Design bei einem Medizinalprodukt und einer verbesserten Patientenidentifikation in Zusammenhang mit Blutentnahmen führten. Für das organisationale Lernen im Spital wurden dabei Chancen, Barrieren und Gestaltungsansätze abgeleitet, wie erwünschte Veränderungen und Lernen unter Nutzung von IRS initiiert werden können und dabei ein besseres Gesundheitsresultat erreicht werden kann. Die dritte Teilstudie überprüfte, inwiefern die Nutzung und Implementierung lokaler IRS mittels einer Mitarbeitervollbefragung zur Sicherheitskultur gefördert werden kann. Hierfür wurde eine positive Interaktion, zwischen einer starken Sicherheitskultur und der Bereitschaft ein IRS zu implementieren und Incidents zu berichten, angenommen. Zum Einsatz kam eine deutschsprachige Version des Hospital Survey on Patient Safety Culture (Patientensicherheitsklimainventar) mit einem Rücklauf von 46.8% (2.897 gültige Fragebogen). In 23 von 37 Kliniken führte laut einer Nachbefragung die Sicherheitskulturbefragung zum Implementierungsentscheid. Dies konnte durch Monitoring der IRS-Nutzung bestätigt werden. Erstmals liegen mit diesen Studien empirische Daten für eine wirkungsvolle und lernförderliche Gestaltung und Umsetzung von lokalen IRS am Beispiel einer Schweizer Gesundheitsorganisation vor. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen Chancen und Barrieren für IRS als Berichts- und Lernsysteme im Krankenhaus auf. Als Resultat unsachgemäss gestalteter und implementierter IRS konnte dabei vor allem Lernverhinderung infolge IRS aufgezeigt werden. Blinder Aktionismus und eine fehlende Priorisierung von Patientensicherheit, unzureichende Kompetenzen, Qualifikationen und Ressourcen führten dabei zur Schaffung neuer Fehlerquellen mit einer Verstärkung des Lernens erster Ordnung. Eine lernförderliche Gestaltung und Unterhaltung der lokalen IRS, eingebettet in eine klinikumsweite Qualitäts- und Patientensicherheitsstrategie, erwiesen sich hingegen als wirkungsvoll im Sinne eines organisationalen Lernens und eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Patientensicherheitskulturbefragungen erwiesen sich zudem bei entsprechender Einbettung als effektives Instrument, um die Implementierung von IRS zu fördern. Zwölf Thesen zeigen in verdichteter Form auf, welche Gestaltungsprinzipien für IRS als Instrument des organisationalen Lernens im Rahmen des klinischen Risikomanagements und zur Förderung einer starken Patientensicherheitskultur zu berücksichtigen sind. Die Erkenntnisse aus den empirischen Studien münden in ein dialogorientiertes Rahmenmodell organisationalen Lernens unter Nutzung lokaler IRS. Die Arbeit zeigt damit zum einen Möglichkeiten für ein Lernen auf den verschiedenen Ebenen der Organisation auf und weist auf die Notwendigkeit einer (Re-)Strukturierung der aktuellen IRS-Diskussion hin.Summary: "Incident Reporting Systems as a possibility for organizational learning (not only) from errors and critical incidents: Potentials, barriers and design implications regarding reporting and learning systems in hospitals" This thesis considers local (Critical) Incident Reporting Systems ((C)IRS) as an opportunity to learn from errors and undesired events (incidents) in hospitals. In health care, the necessity to learn from incidents has been discussed increasingly since the 1990s. Especially high-risk organizations, where incidents may have fatal consequences, should develop comprehensive strategies to prevent incidents and exploit their learning potential. Local IRS can be a central part of risk management; and voluntary documentation systems in hospitals can be part of this strategy. They can be a basis for collecting and processing of individual learning opportunities systematically and transferring the results back into the organization. To achieve this, a learning-friendly design, implementation and embedding of local IRS are important prerequisites. Little is known about how to design and implement local IRS to support organisational change towards increased patient safety. Research on didactically sound and effective IRS-models and empirical data in German-speaking countries were lacking so far. This case study performed in a Swiss university hospital (800 beds, 6.100 employees) helps to fill this gap. The implementation of a hospital-wide local IRS was set as strategic goal by hospital management in order to enhance patient safety. The current status of IRS-implementation was that one clinic (of 37) and four wards (different clinics) used different stand-alone IRS. As a first step, a requirement profile on learning-friendly IRS was derived from the literature. This included both literature-based criteria for design and utilization from IRS-literature as well as design rules and success factors for organizational learning derived from the field of work psychology and pedagogy. This requirement profile was validated in three empirical studies and adapted accordingly. In the first empirical study, an assessment of the current state of IRS and characteristics critical to success was performed. The survey was carried out in four clinics by analysis of documents, half-structured interviews (N=18), seven structured group discussions and observations over a period of 22 months. In the second study, two cases of organizational learning were investigated by process monitoring. These studies led to improved patient identification regarding blood sampling and prevention of tubing misconnections. For organizational learning in the hospital, potentials, barriers and design criteria were derived; aiming at improved and safer health care. In the final empirical study, it was investigated to which extent the use and implementation of local IRS can be stimulated by a hospital-wide survey on safety culture. It was assumed that a positive interaction exists between a strong safety culture on the one hand and the willingness to implement IRS and report incidents on the other hand. This survey served several purposes: it was used to assess the current status of i) patient safety climate, ii) the use of IRS, iii) the attitudes towards implementation of IRS, and iv) to create a hospital-wide awareness and acceptance of IRS. The survey in question was a German version of the Hospital Survey on Patient Safety Culture (Patientensicherheitsklimainventar). A response of 46.8 % was achieved (2.897 valid questionnaires). According to a follow-up survey, in 23 of 37 clinics, the safety culture survey led to imple-mentation of IRS. This could be confirmed by monitoring of the increase in IRS-use throughout the hospital. For the first time, empirical data are presented on a learning-friendly, effective design and implementation of local IRS, taking a Swiss health care organization as an example. The results of this research identify potentials and barriers for IRS as a reporting and learning system in hospitals. It is shown that poor design and implementation of IRS can obstruct learning: Blindly taking measures, not enough priority given to patient safety, insufficient qualifications, competencies and resources of staff lead to new errors with increased first order learning. In contrast, a learning-friendly design and maintenance of local IRS, embedded in a hospital and clinic-wide quality and patient safety strategy, proved effective for organizational learning. Patient safety culture surveys proved to be an effective instrument in encouraging IRS-implementation. Design criteria for IRS as instruments for organizational learning, in the context of clinical risk management and patient safety culture improvement are condensed in twelve theses. The findings from the empirical studies result in a dialogue-oriented model of organizational learning using local IRS. Thus, this work demonstrates potentials for learning on several organizational levels and points out the necessity of a (re-)structuring of the present IRS discussion.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-2009032426765
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