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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 01 / Humanwissenschaften  → Institut für Psychologie  → Sozial- und Innovationspsychologie  → Dissertationen 

Please use this identifier to cite or link to this item: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010011131639

Title: Die Natur als Erholungs(t)raum
Other Titles: Ein empirischer Vergleich von virtueller und physischer Natur
Authors: Ziesenitz, Anne-Katrin
???metadata.dc.subject.swd???: NaturVirtuelle RealitätNaturnachahmungErholungswertNaturgefühlNaturverständnis
???metadata.dc.subject.ddc???: 150 - Psychologie (Psychology)
Issue Date: 11-Jan-2010
Abstract: Zur Erholung in die Natur gehen oder doch lieber zur Natursimulation greifen? Intuitiv würden die meisten Menschen der Natur einen größeren Erholungswert zusprechen als einer Natursimulation. Aber ist die Natur tatsächlich erholsamer? In der Naturerholungsforschung (Restorative Environment Research) kommen häufig Natursimulationen zum Einsatz, um die erholsame Wirkung von Natur zu ermitteln. Problematisch ist dabei, dass deren ökologische Validität und Vergleichbarkeit noch nicht empirisch abgesichert ist. Vorliegende Arbeit setzt an dieser methodischen und empirischen Lücke an. Sie überprüft sowohl die ökologische Validität als auch die Vergleichbarkeit von Natursimulationen. Dazu wird die erholsame Wirkung von zwei Natursimulationen im Vergleich zu der physisch-materiellen Natur empirisch untersucht und verglichen. Darüber hinaus werden Aspekte des subjektiven Erlebens und der Bewertung im Naturerholungskontext exploriert. Als bedeutsamer Wirkmechanismus wird die erlebnisbezogene Künstlichkeit/Natürlichkeit angesehen, die sich auf die Erlebnisqualität von Natursimulationen und der physisch-materiellen Natur bezieht: Natursimulationen weisen im Vergleich zur physisch-materiellen Natur eine reduzierte Erlebnisqualität auf (erlebnisbezogene Künstlichkeit), z.B. eine reduzierte Qualität und Quantität der Sinnesansprache. Stellt man einen derartigen Vergleich nicht nur mit der physisch-materiellen Natur, sondern mit unterschiedlichen Natursimulationstypen an, dann zeigen sich auch hier Unterschiede in der erlebnisbezogenen Künstlichkeit. Beispielsweise unterscheidet sich ein Naturfoto von einem Naturfilm durch das Fehlen von auditiven und bewegten Stimuli. Diese erlebnisbezogene Künstlichkeit kann die erholsame Wirkung von Natur - direkt oder indirekt über Bewertungen - hemmen. Als Haupthypothese wird angenommen, dass mit zunehmendem Ausmaß an erlebnisbezogener Künstlichkeit die erholsame Wirkung der Natur abnimmt. Dem kombinierten Feld- und Laborexperiment liegt ein einfaktorielles Vorher-Nachher-Design zugrunde. Den 117 Probanden wurde zunächst eine kognitiv und affektiv belastende Aufgabe vorgelegt, danach folgte die Erholungsphase. Diese bestand aus einem Spaziergang, der entweder in der physisch-materiellen Natur (urbaner Park) oder in einer der beiden audio-visuellen Natursimulationen (videogefilmter vs. computergenerierter Spaziergang durch selbigen urbanen Park) oder auf dem Laufband ohne audio-visuelle Darbietung stattfand. Die erlebnisbezogene Künstlichkeit/Natürlichkeit wurde also wie folgt operationlisiert: die physische Natur steht für die erlebnisbezogene Natürlichkeit. Die beiden Natursimulationen stehen für die erlebnisbezogene Künstlichkeit. Die computergenerierte Version ist im Vergleich zur Videoversion erlebnisbezogen künstlicher, da sie weniger fotorealistisch ist. Die Zuordnung zu einer der vier experimentellen Erholungssettings erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Die Effekte von moderater Bewegung wurden in den Natursimulationen durch das Laufen auf dem Laufband kontrolliert. Die Beanspruchungs- bzw. Erholungsreaktionen wurden auf kognitiver (Konzentriertheit, Aufmerksamkeitsleistung) affektiver (3 Befindlichkeitsskalen: Wachheit, Ruhe, gute Stimmung) und physiologischer (Alpha-Amylase) Ebene gemessen, um ein umfassendes Bild der Reaktionen zu erhalten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die beiden Natursimulationen trotz Unterschiede in der erlebnisbezogenen Künstlichkeit/Natürlichkeit zu relativ ähnlichen Erholungsreaktionen führen, wie die physisch-materielle Natur. Eine Ausnahme stellen eine der drei affektiven (Wachheit) und die physiologische Reaktion dar: Probanden der physisch-materiellen Naturbedingung geben an wacher zu sein und weisen - wider erwarten - eine höhere physiologische Erregung auf. Demnach ist die physisch-materielle Natur nicht grundsätzlich erholsamer als die Natursimulationen. Die Hypothese ließ sich somit nicht bestätigen. Vielmehr deuten sich komplexe Erholungsmuster und damit auch unterschiedliche Erholungsqualitäten der Settings an, die einer differenzierten Betrachtung bedürfen. Für die ökologische Validität von Natursimulationen gilt, dass diese nur mit Einschränkung als ökologisch valide bezeichnet werden können, d.h. nur für bestimmte, aber nicht für alle Erholungsreaktionen. Die beiden Natursimulationen führen ebenfalls trotz Unterschiede in der erlebnisbezogenen Künstlichkeit zu ähnlichen Erholungsreaktionen und können somit als gleichwertig behandelt werden. Erstaunlicherweise kommt es hier zu ähnlichen Erholungsreaktionen, obwohl die bestehenden Unterschiede von den Probanden wahrgenommen und die erlebnisbezogen künstlichere computergenerierte Version negativer bewertet wird. Aufgrund der nicht erwartungskonformen Ergebnisse muss das Erklärungskonzept der erlebnisbezogenen Künstlichkeit/Natürlichkeit infrage gestellt werden. Alternative Erklärungskonzepte für die Ergebnisse („Ungewissheit“, mentale räumliche Modelle), die sich andeutenden unterschiedlichen Erholungsqualitäten der Settings, methodische Einschränkungen sowie die praktische Bedeutung der Ergebnisse werden kritisch diskutiert.Do we better restore in physical nature or in a simulation of nature? Most people will intuitively assume that physical nature is more restorative than simulations of nature. But is this really the case? In the field of restorative environment research different kinds of simulations have been used to examine the restorative quality of nature. This has been done without ever testing if the ecological validity and the comparability of different simulations of nature can be taken for granted in the context of restoration. That is were the present study sets off: It examines the ecological validity and the comparability of different simulations of nature by conducting an empirical comparison between the restorative effect of two simulations of nature and of physical nature. Furthermore, it explores the impact of subjective experiences and valuations in the context of recreation in simulations of nature. So it is assumed that the artificiality / naturalness plays a key-role in the restorative process. Simulations of nature are human-made and they have a reduced quality of experience (experiencebased artificiality). For example, simulations (still) do not stimulate all our senses such as the sense of smell or touch. The experience is artificial in comparison to the experience in physical nature. Apart from the differences in artificiality between physical nature and simulations of nature, different kinds of simulations of nature do vary in the extent of their artificiality. In both cases the extent of the experience-based artificiality may directly or indirectly (by valuation) reduce restoration. Thus the main hypothesis is as follows: The higher the extent of artificiality, the lower the extent of restoration. The study is based on a combined field and laboratory experiment with a repeated measurement design. The 117 subjects had to go first through a stress-inducing task. After that, the restoration phase started. It consists of a walk either through physical nature (urban park) or through one of the two audio-visual simulations of nature (the video-taped or the computer-simulated walking track through the same urban park) or on the treadmill without any audio-visual presentations. Thus artificiality vs. naturalness has been operationalised as follows: the physical nature condition represents naturalness and the simulations represent artificiality, whereas the computer simulation is more artificial because it is less photo-realistic. The subjects were randomly assigned to one of the four experimental settings. To control the moderate exercise effects on restoration, the subjects under simulation conditions walked on a treadmill while the audio-visual (nature) presentation was running. Stress and restoration were measured on a physiological (alphaamylase), affective (three affective states: alertness, good mood, calmness) and cognitive (self-reported attentiveness and the ability to direct attention) level. Overall, the results show that simulations of nature evoke relatively similar restoration reactions as physical nature, except for one affective (alertness), and the physiological reaction. In the physical nature condition, subjects state higher alertness and – unexpectedly – a higher physiological arousal. Thus, the hypothesis could not be confirmed. The physical nature is generally not more restorative than simulations of nature, but complex restoration patterns appear, so making different restoration qualities of the settings apparent, which requires a closer examination. The ecological validity of simulations of nature is not unrestrictedly valid, which means that simulations are just for some, but not for all restoration reactions ecologically valid. The two simulations of nature evoke similar restoration reactions, despite differences in the experiencebased artificiality and the fact that the subjects did notice these differences and did not appreciate the more artificial computer simulation. Thus, the comparability of the two simulations is given. Because of the given and mainly non-expected results, the explanatory concept of artificiality/ naturalness is questionable. Alternative explanations for the given results („uncertainty“, mental models), possible different restoration qualities of the settings, methodological restrictions as well as practical implications are critically discussed.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-2010011131639
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