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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 06 / asl - Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung  → Fachgebiete Landschaftsarchitektur / Landschaftsplanung  → Freiraumplanung  → Dissertationen 

Please use this identifier to cite or link to this item: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010120735041

Title: Von den Markenteilungen bis zum Emscher Landschaftspark: Freiraumverluste und Freiraumschutz im Ruhrgebiet
Other Titles: Common-Property-Institutionen als Lösungsansatz?
Authors: Häpke, Ulrich
???metadata.dc.subject.swd???: RuhrgebietEmscher ParkFreifläche
???metadata.dc.subject.ddc???: 710 - Landschaftsgestaltung, Raumplanung (Civic and landscape art)
Issue Date: 7-Dec-2010
Abstract: In der vorliegenden Arbeit werden die Erfolge und Misserfolge der Freiraumpolitik im Ruhrgebiet untersucht. Ausgangspunkte sind der Freiraumschwund, der über einen Zeitraum von fast 200 Jahren dokumentiert wird, sowie die Gegenbewegungen, die sich für den Freiraumschutz einsetzen. Nach der Vorstellung einer Freiraumtypologie werden diese Entwicklungen in detaillierten historischen Abrissen für jeden Freiraumtyp dargestellt, woraus sich eine eigene Ruhrgebietsgeschichte - aus der Perspektive der Freiflächen und ihrer Nutzer - ergibt. Folgerichtig beginnt die vorliegende Arbeit nicht mit Kohle und Eisen, sondern mit der Land- und Forstwirtschaft. Anhand historischer Quellen wird die gängige Am-Anfang-war-die-Heide-These widerlegt, denn das Ruhrgebiet war waldreich und ein produktiver Agrarraum. Landwirtschaftliche Flächen- und Waldverluste sind die Basis der Siedlungstätigkeit. Ohne die Gemeinheitsteilungen im 19. Jahrhundert wären die Stadterweiterungen und Industrieansiedlungen im Ruhrgebiet nicht möglich gewesen. Die - in Grundzügen im Ersten Weltkrieg entwickelte - Agrarpolitik mit der Förderung von Produktivitätssteigerungen und Hofaufgaben erleichterte den weiteren Entzug von Agrarflächen, und genauso wirkt heute die Liberalisierung der Agrarmärkte. Alternative Ansätze (z.B. Direktvermarktung) konnten diesen Trend noch nicht aufhalten. Auch das Baumschutzgesetz von 1922 konnte die nationalsozialistischen Kahlschläge, die Waldverluste im Zweiten Weltkrieg und durch den Wiederaufbau nicht verhindern. Erst seit der Deindustrialisierung, der Aufforstung von Halden und der Umweltbewegung nehmen Wälder wieder zu. Demgegenüber treten Ende des 19. Jahrhunderts völlig neue Freiraumtypen auf. Die bürgerschaftliche Kleingartenbewegung wurde dank ihrer Bedeutung für die Ernährung in den Städten seit dem Ersten Weltkrieg vom Staat stark unterstützt, von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet, konnte aber in den 1950er Jahren ihren bürgerschaftlichen Charakter und ihre Stärke wieder zurückgewinnen. Auch wenn Kleingärten als bauliche Reserveflächen missbraucht werden, geschieht dies nicht mehr ohne Ersatzland. Im Unterschied hierzu wurde die Stadtparkbewegung kommunalisiert. Sodann entstanden Volksparks mit Sportanlagen, ästhetisch ausgerichtete Gartenschauen, die breit gefächerten Revierparks der 1970er Jahre und neue Parktypen im Emscher Landschaftspark. 1920 wird der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk gegründet, der mit den Verbandsgrünflächen ein eigenes Instrument zum Freiraumschutz und die Kompetenz zur Fluchtlinien- bzw. Bebauungsplanung erhielt. Inzwischen darf der Verband, vor einigen Jahren in den Regionalverband Ruhr umgewandelt, zu kommunalen Planungen nur noch Stellungnahmen abgeben. Schon früh versuchte der Verband, industrielles Ödland zu begrünen. Nach den Bahndammbegrünungen vor dem Zweiten Weltkrieg hat er seit den 1950er Jahren Halden aufgeforstet, bis in den 1990er Jahren der Aufbau des Emscher Landschaftsparks begann. Zechen- und Industriebrachen werden in neue Parks, Halden und Mülldeponien in Landmarken und Freizeitlandschaften verwandelt. Zu fragen ist, was aus diesen Geschichten für die Freiraumpolitik folgt. Zwei gegensätzliche Thesen werden diskutiert: die Tragedy of the Commons, die im Gemeineigentum die Ursache ökologischer Probleme sieht, während der Common-Property-Ansatz gerade in gemeinschaftlichen Nutzungen einen Ansatz für Problemlösungen sieht. Dabei liegt eine Besonderheit von Freiräumen in ihrem hohen Öffentlichkeitsgrad, d.h. dass sie von vielen Menschen genutzt werden und gleichzeitig mehrere, z.B. produktive, ökologische, politische oder berufliche Funktionen erfüllen. Untersucht wird, inwieweit erfolgreich gesicherte Freiflächen Merkmale von stabilen Common-Property-Institutionen tragen, d.h. welche Funktionen die Freiräume erfüllen, wie ihre Nutzung geregelt ist und vor allem welchen Einfluss die Nutzer auf Entscheidungen haben. Thesenhaft lässt sich zusammenfassen, dass ein Teil der Freiräume sein Wachstum einer derzeit unverzichtbaren Funktion verdankt, nämlich der Camouflage von Müll und Altlasten, die eine bauliche Nutzung ausschließen. Andere Freiräume verdanken ihren Bestand ihren vielfältigen Nutzungen, zur Erholung, durch Denkmäler, für Veranstaltungen, aber auch der Wertsteigerung für umliegende Wohngebiete. Ein kleiner Teil der Freiräume hat tatsächlich einen Common-Property-Charakter: Kleingartenanlagen, die von bürgerschaftlichen Gruppen gegründeten Parks sowie die Flächen, die durch Bürgerinitiativen o.ä. gegen eine bauliche Umnutzung verteidigt werden. Grund genug, um die Idee eines Netzwerks von Parkvereinen aufzugreifen, die sich von bürgerschaftlicher Seite aus für Freiräume einsetzen können.The present dissertation analyses success and failure of open area policies in the Ruhr district. Starting-points are the open area losses described for a period of 200 years, and the counter-movements standing up for the open area protection. After presenting an open area typology these developments will be shown in detailed historical studies for each type of open area, forming an own history of the Ruhr district, written from the point of view of open areas and their users. Consistently, the present examination does not start with coal and iron, but with agriculture and forestry. Using historical sources the well known 'At-the-beginning-there-was-the-heath'-statement can be disproved because the Ruhr district was rich in forests and a productive agrarian region. Losses of agrarian and wooded areas are the basis of the settlement expansion. Without dividing the commons in the 19th century growing cities and founding new industrial enterprises would have been impossible. Supporting increasing productivity and farmers' resignation the agricultural policy, in its fundamentals framed during the First World War, makes it easier to withdraw agrarian areas. Today liberalisation of agrarian markets works in the same way. Alternative attempts (e.g. regional marketing) could not yet stop this development. The tree protection law from 1922 also could not prevent the nazi deforestation, the losses of forests during World War Two and the reconstruction era. Only since the regional de-industrialisation, the reforestation of tips and the ecological movement forests can grow again. In contrast at the end of the 19th century completely new types of open areas appear. Due to their importance for feeding townspeople the social allotment movement got very much support by the government. By the nazis the allotment movement was unified, but during the 1950s it could regain its civil character and its former power. Even when allotment gardens will be misused as building land reserve, this no longer will happen without compensation land. Different to this the city park movement was incorporated by the municipalities. Then there were built up people's parks with playing grounds, aesthetic oriented garden expositions, the district parks of the 1970s with their manifold equipment und new types of parks in the Emscher Landscape Park. In 1920 the Ruhr Coal Area Settlement Association was founded. With its registered green land it got an own instrument for open area protection and the right to work out legally binding building lines and building plans. Meanwhile the association, which was changed into the Ruhr Regional Association some years ago, is only allowed to give comments on communal plannings. Very early the association tried to plant industrial wasteland. After planting railway embankments before World War Two, since the 1950s it has reforested tips until in the 1990s the development of the Emscher Landscape Park started. Wastelands of mines and industries were changed into new parks, tips and dumping grounds were changed into landmarks and leisure landscapes. There is to ask for the consequences following from these stories for the open area policies. Two opposite theses are discussed: the "Tragedy of the Commons" sees the reason for ecological problems in common property structures, while the Common-Property-Thesis sees the chance to solve these problems even in common utilization structures. There is an open area speciality in their high degree of publicity so that it can be used by many people and can fulfill several, e.g. productive, ecological, political or professional functions in the same time. It is analysed how far successfully saved open areas show the signs of stable Common-Property-Institutions, which functions are fulfilled by open areas, how their using is regulated and first of all how far users have an influence on decisions. It can be summarized as a thesis that one part of open areas is growing because of a special function that at the moment is irreplaceable, namely to hide waste and pollutions that prevent any building using. Another part of open areas is existing due to its manifold usings, for recreation, by memorials, for events, and due to the appreciation of surrounding dwelling areas. A small part of open areas really has a common property character: the allotment garden parks, parks founded by social groups, and open areas that are defended by citizen's action groups against the change into building land. For this reason the idea of a network of park associations ought to be taken up which could stand up for open areas from a civic point of view.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-2010120735041
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