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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 05 / Gesellschaftswissenschaften  → Fachgruppe Geschichte  → Neuere und neueste Geschichte  → Dissertationen 

Please use this identifier to cite or link to this item: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2011020735654

Titel: Von "weiblichen Vollmenschen" und Klassenkämpferinnen
Sonstige Titel: Frauengeschichte und Frauenleitbilder in der proletarischen Frauenzeitschrift "Die Gleichheit" (1891-1923)
Autor(en): Sachse, Mirjam
Schlagworte (SWD): Proletarische FrauenbewegungArbeiterbewegungZetkin, ClaraFrauenzeitschriftGeschichte 1891-1923
Klassifikation (DDC): 900 - Geschichte (Geography and history)
Issue Date: 7-Feb-2011
Zusammenfassung: Zusammenfassung zur Inaugural-Dissertation: Von „weiblichen Vollmenschen“ und Klassenkämpferinnen – Frauengeschichte und Frauenleitbilder in der proletarischen Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“ (1891-1923). Die wissenschaftliche Bedeutung, die der SPD-Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“ (1891-1923) als Quelle der Geschichte der Frauenbewegung zukommt, spiegelt sich weder in Darstellungen zur Geschichte der SPD noch in der Geschichtsschreibung der deutschen Frauenbewegung wider. Auch ist die „Gleichheit“, Presseorgan der organisierten proletarischen Frauenbewegung Deutschlands und der Sozialistischen Fraueninternationale, bisher kaum Gegenstand einer umfassenden publizistischen Analyse gewesen. Es galt daher, zumindest das Hauptblatt der „Gleichheit“, die an ihr beteiligten Personen, ihre Strukturen und ihr Selbstverständnis möglichst detailliert und anhand publizistischer Kriterien darzustellen. Wandlungen ihres Erscheinungsbildes, ihrer editorischen und personellen Strukturen oder ihres Seitenumfangs markieren entscheidende Wendepunkte der deutschen Politik während des deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Ihr Niveau lag deutlich über dem einer allgemeinen Frauenzeitschrift, eines Mitteilungs- oder Unterhaltungsblattes. Ihr Ziel war es, sowohl politisches Schulungsblatt für die engagierten Genossinnen als auch Agitationsmittel für die indifferenten Proletarierinnen zu sein. Inwieweit sie mit dieser Zielsetzung erfolgreich war, kann jedoch selbst die große Zahl ihrer Abonnements (der Höchststand lag 1914 bei 124.000 Exemplaren) nicht validieren. Tatsächlich ließ gerade der von ihrer langjährigen Redakteurin Clara Zetkin (1857-1933) angestrebte hohe intellektuelle Anspruch die „Gleichheit“ jedoch nicht zu einem Medium der Massen werden. Im Mai 1917 entschied sich der SPD-Parteivorstand, der dem Burgfrieden abträglichen, konsequent sozialistischen und internationalistischen Haltung Zetkins keine öffentliche Plattform mehr zu geben und entließ sie aus der Redaktion. Die Leitung der „Gleichheit“, die auch bis zu diesem Zeitpunkt durchaus keine „One-Woman-Show“ war, oblag schließlich bis zu ihrem letztmaligen Erscheinen im September 1923 noch einigen weiteren Redakteurinnen und Redakteuren (Marie Juchacz (1879-1956), Heinrich Schulz (1872-1932), Clara Bohm-Schuch (1879-1936), Elli Radtke-Warmuth (?-?) und Mathilde Wurm (1874-1935)). Deren Tätigkeit für die „Gleichheit“ wurde jedoch bisher kaum wissenschaftlich reflektiert. Dies gilt auch für die ausgesprochen internationale Zusammensetzung oder die männlichen Mitglieder des MitarbeiterInnenstabes. Indem sie sich selbst in der Tradition und als Teil eines Netzwerkes deutscher Frauen­öffentlichkeit („Die Frauen-Zeitung“ (1849-1852), „Die Staatsbürgerin“ (1886) und „Die Arbeiterin“ (1890-1891)) sah und indem sie besonders mittels frauen­geschichtlicher und frauenbiographischer Inhalte das Selbstbewusstsein ihrer Leserinnen zu fördern versuchte, betrieb die „Gleichheit“ gezielt Frauengeschichtsschreibung. Zahlreiche Artikel porträtieren Frauen aus Geschichte und Gegenwart und stellen in ihrem elaborierten Stil „Typen“ bzw. „Vorbilder“ dar. Um die Frage beantworten zu können, welche Frauen der Geschichte und welche ihrer Charaktereigenschaften von der „Gleichheit“ als vorbildlich für Sozialdemokratinnen erachtet wurden, wurden die biographischen Artikel zu 173 Frauen nach Analyse ihrer Inhalte und ihres Duktus vier Frauenleitbildern zugeordnet. Die Kategorisierung der einzelnen Frauenleitbilder „weiblicher Vollmensch“, „sozialistische Mutter“, „sozialistische Ehefrau“ und „Klassenkämpferin“ lehnt sich wiederum an den von Zetkin bereits 1898 veröffentlichten Artikel „Nicht Haussklavin, nicht Mannweib, weiblicher Vollmensch” (Die Gleichheit, Jg. 08/ Nr. 02/ 19.11.1898/ S. 1.) an. Sämtliche frauenbiographischen Artikel appellieren an die „Gleichheit“-Leserinnen, die oft selbst gesetzten Grenzen ihrer Handlungs – und Entwicklungsmöglichkeiten zu sprengen. Die sich daraus ableitenden Identifikationsangebote waren somit nicht auf dem Reissbrett ent­worfen, sondern basierten auf geschichtlicher Erfahrung und antizipierendem Bewusstsein. Diese Leitbilder versuchten, Realität und Utopie miteinander zu verbinden und konnten daher kaum frei von Widersprüchen sein. Wie die „Gleichheit“ selbst, so blieben auch ihre Ansätze politischer Frauen­bildung teilweise zwischen revolu­tionärem Umsturz und traditioneller Kontinuität gefangen. Indem sich die „Gleichheit“ historischer Vorbilder bediente, machte sie jedoch konkrete Ansprüche geltend: Sie forderte den weiblichen Anteil an Geschichte, an politischer Macht und am öffentlichen Bewusstsein.Abstract to the Dissertation: "Female full-fledged human" ("weibliche Vollmenschen") and "female class fighters" ("Klassenkämpferinnen") - women's history and women's role models in the proletarian women's magazine "Die Gleichheit" (1891-1923) The scientific significance of the SPD women's magazine “Die Gleichheit“ (1891-1923) as a source of the history of the women's movement is neither reflected in publications on the SPD (Social Democratic Party of Germany) history nor in the historiography of the German women's movement. To date, “Die Gleichheit“, organ of the organised German proletarian women's movement and that of the Socialist Women's Internationale, has only been a marginal subject in extensive publicistic analyses. Therefore it was essential to give at least a detailed presentation of the main issue (Hauptblatt), the persons involved in it, its structures and its self-conception according to publicistic standards. Changes in the magazine's appearance, in its editorial and personnel structures and even in the number of pages marked decisive turning points in German politics during the German Empire and the Weimar Republic. Its quality surpassed that of general women's magazines, of information or entertainment gazettes by far. The aim of "Die Gleichheit" was to provide political education to committed female comrades while operating as a means of agitation for indifferent proletarian women at the same time. Even the impressive number of subscriptions which reached its peak in 1914 with 124,000 copies cannot truly reflect how successful this magazine was in reaching its aim. In fact, its long-standing editor Clara Zetkin and the high intellectual quality she pursued, did not let become "Die Gleichheit" a mass medium. In May 1917 the SPD party executives decided to dismiss Zetkin because of her consistent socialistic internationalistic attitude which was detrimental to the Burgfrieden" ("party truce") and deprived her of this public platform. Up to that date, supervising "Die Gleichheit" had been anything but a “one woman show" and until its last issue in September 1923 it was the responsibility of several editors (Marie Juchacz (1879-1956), Heinrich Schulz /1872-1932), Clara Bohm-Schuch (1879-1936), Elli Radtke-Warmuth (?-?) and Mathilde Wurm (1874-1935)). However, their contribution to "Die Gleichheit" has hardly been scholarly reflected to date. The same applies to its highly international team and the male members of its staff. "Die Gleichheit" regarded itself as part of a network formed by the German female public and sought to support its readers' self-confidence through women's history and biographies. Hence, it can be said that "Die Gleichheit" consciously chose to write women's history. Female figures from past and present were portrayed in numerous articles that presented them as "archetypes" and "role models" in a very elaborate style. In order to identify which historical female figures and which of their character traits were considered ideal for female Social-Democrats by "Die Gleichheit", a selection of biographical articles portraying 173 women was analysed in terms of contents and style. Finally, they were related to four categories of women's role models, i.e. "female full-fledged human" ("weiblicher Vollmensch"), "Socialist mother", "Socialist wife" and "female class fighter". These four types derive in turn from Zetkin's article published in 1898 under the title "No household slave, no virago, (but) female full-fledged human" ("Nicht Haussklavin, nicht Mannweib, weiblicher Vollmensch") (Die Gleichheit, vol. 8/ no. 2/ 19.11.1898/ p. 1). All these women's biographical articles urge their readers to break the boundaries of their potentialities of action and development, that they had often set themselves. The resulting models for identification weren't created at a drawing board, but based upon historical experience and anticipating awareness. These models sought to combine reality with utopian ideas and therefore were not free from contradictions. Like "Die Gleichheit" itself, their approaches of women's political education were partly caught between revolutionary overthrow and traditional continuity. However, by using historical role models "Die Gleichheit" was able to assert practical claims: it claimed the women's share of history, of political power and public awareness.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-2011020735654
Bemerkungen: Die Arbeit stellt viel Material zu genannten Zeitschriften und Biographien beteiligter Personen zusammen - vor allem in den Fußnoten. Soweit in den verwendeten Quellen entsprechende Angaben nicht zu finden waren, wurden die Lücken bewusst mit ? markiert. Dies macht den weiterführenden Forschungsbedarf deutlich.
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