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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 01 / Humanwissenschaften  → Institut für Psychologie  → Entwicklungspsychologie  → Dissertationen 

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http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2011102639462

Titel: Verbal proficiency as fitness indicator: Experimental and comparative research on the evolutionary psychology of language and verbal displays
Autor(en): Lange, Benjamin Philip
Schlagworte (SWD): SpracheEvolutionspsychologieVerhaltenspsychologieLinguistikLiteratur
Klassifikation (DDC): 150 - Psychologie (Psychology)
Erscheinungsdatum: 26-Okt-2011
Zusammenfassung: Summary: Recent research on the evolution of language and verbal displays (e.g., Miller, 1999, 2000a, 2000b, 2002) indicated that language is not only the result of natural selection but serves as a sexually-selected fitness indicator that is an adaptation showing an individual’s suitability as a reproductive mate. Thus, language could be placed within the framework of concepts such as the handicap principle (Zahavi, 1975). There are several reasons for this position: Many linguistic traits are highly heritable (Stromswold, 2001, 2005), while naturally-selected traits are only marginally heritable (Miller, 2000a); men are more prone to verbal displays than women, who in turn judge the displays (Dunbar, 1996; Locke & Bogin, 2006; Lange, in press; Miller, 2000a; Rosenberg & Tunney, 2008); verbal proficiency universally raises especially male status (Brown, 1991); many linguistic features are handicaps (Miller, 2000a) in the Zahavian sense; most literature is produced by men at reproduction-relevant age (Miller, 1999). However, neither an experimental study investigating the causal relation between verbal proficiency and attractiveness, nor a study showing a correlation between markers of literary and mating success existed. In the current studies, it was aimed to fill these gaps. In the first one, I conducted a laboratory experiment. Videos in which an actor and an actress performed verbal self-presentations were the stimuli for counter-sex participants. Content was always alike, but the videos differed on three levels of verbal proficiency. Predictions were, among others, that (1) verbal proficiency increases mate value, but that (2) this applies more to male than to female mate value due to assumed past sex-different selection pressures causing women to be very demanding in mate choice (Trivers, 1972). After running a two-factorial analysis of variance with the variables sex and verbal proficiency as factors, the first hypothesis was supported with high effect size. For the second hypothesis, there was only a trend going in the predicted direction. Furthermore, it became evident that verbal proficiency affects long-term more than short-term mate value. In the second study, verbal proficiency as a menstrual cycle-dependent mate choice criterion was investigated. Basically the same materials as in the former study were used with only marginal changes in the used questionnaire. The hypothesis was that fertile women rate high verbal proficiency in men higher than non-fertile women because of verbal proficiency being a potential indicator of “good genes”. However, no significant result could be obtained in support of the hypothesis in the current study. In the third study, the hypotheses were: (1) most literature is produced by men at reproduction-relevant age. (2) The more works of high literary quality a male writer produces, the more mates and children he has. (3) Lyricists have higher mating success than non-lyric writers because of poetic language being a larger handicap than other forms of language. (4) Writing literature increases a man’s status insofar that his offspring shows a significantly higher male-to-female sex ratio than in the general population, as the Trivers-Willard hypothesis (Trivers & Willard, 1973) applied to literature predicts. In order to test these hypotheses, two famous literary canons were chosen. Extensive biographical research was conducted on the writers’ mating successes. The first hypothesis was confirmed; the second one, controlling for life age, only for number of mates but not entirely regarding number of children. The latter finding was discussed with respect to, among others, the availability of effective contraception especially in the 20th century. The third hypothesis was not satisfactorily supported. The fourth hypothesis was partially supported. For the 20th century part of the German list, the secondary sex ratio differed with high statistical significance from the ratio assumed to be valid for a general population.Zusammenfassung: Neuere Forschung zur Evolution der Sprache und sprachlicher Darbietungen (z.B. Miller, 1999, 2000a, 2000b, 2002) legte nahe, dass Sprache nicht nur Ergebnis natürlicher Selektion ist, sondern auch als sexuell selektierter Fitnessindikator fungiert, d.h. als Anpassung, die die Angemessenheit eines Individuums als Reproduktionspartner signalisiert. Sprache wäre dem¬nach im Bereich von Konzepten wie dem Handicap-Prinzip (Zahavi, 1975) anzusiedeln. Für diese Position existieren verschiedene Gründe: Zahlreiche sprachliche Merkmale sind hoch erblich (z.B. Stromswold, 2001, 2005), während natürlich selektierte Merkmale eher gering erblich sind (Miller, 2000a). Männer neigen stärker zu sprachlichen Darbietungen als Frauen, die diese Darbietungen dafür beurteilen (Dunbar, 1996; Locke & Bogin, 2006; Lange, in Druck; Miller, 2000a; Rosenberg & Tunney, 2008). Sprachliche Gewandtheit erhöht kultur¬universal insbesondere männlichen Status (Brown, 1991). Zahlreiche linguistische Merkmale sind Handicaps (Miller, 2000a) im Zahavi’schen Sinn. Ein Großteil der Literatur wird von Männern im reproduktionsrelevanten Alter geschaffen (Miller, 1999). Es existierte jedoch weder eine experimentelle Studie, die die kausale Beziehung zwischen sprachlicher Gewandt¬heit und Attraktivität untersucht hätte noch eine Studie, die eine Korrelation zwischen Markern für literarischen Erfolg und solchen für Paarungserfolg belegt hätte. In Form der vorliegenden Studien wurde versucht, diese Lücken zu füllen. In der ersten Studie führte ich ein Laborexperiment durch. Videos, in denen sich ein Schauspieler und eine Schauspielerin jeweils sprachlich präsentierten, dienten als Stimuli für die gegengeschlechtlichen Versuchs¬personen. Der Inhalt war immer gleich, jedoch variierten die Videos in Form dreier Stufen sprachlicher Gewandtheit. Die Vorhersagen waren u.a., (1) dass sprachliche Gewandtheit den Partnerwert erhöht, aber dass dies (2) stärker auf männlichen als auf weiblichen Partnerwert zutrifft, und zwar wegen angenommener vergangener geschlechtsdifferenter Selektionsdrücke, aufgrund derer Frauen sehr wählerisch bei der Partnerwahl sind (Trivers, 1972). Eine zwei-faktorielle Varianzanalyse mit den Variablen „Geschlecht“ und „sprachlicher Gewandtheit“ als Faktoren wurde durchgeführt, wodurch die erste Hypothese mit großen Effektstärken belegt wurde. Hinsichtlich der zweiten Hypothese zeigte sich nur ein Trend in die vorhergesagte Richtung. Außerdem wurde deutlich, dass sprachliche Gewandt¬heit den Partnerwert als Langzeitpartner stärker beeinflusst als den als Kurzzeitpartner. In der zweiten Studie wurde sprachliche Gewandtheit als menstruationszyklusabhängiges Partner¬wahlkriterium untersucht. Dafür wurden die gleichen Materialien wie in der vorherigen Studie verwendet; lediglich der Fragebogen wurde leicht verändert. Die Hypothese lautete, dass fertile Frauen der sprachlichen Gewandtheit eines Mannes eine größere Bedeutung beimessen als nicht-fertile Frauen, da sprachliche Gewandtheit als Indikator für „gute Gene“ aufgefasst werden könnte. Allerdings gab es in der vorliegenden Studie kein signifikantes Ergebnis, das die Hypothese belegte. In der dritten Studie waren die Hypothesen: 1. Ein Großteil der Literatur wird von Männern im reproduktionsrelevanten Alter geschrieben. 2. Je mehr Werke von hoher literarischer Qualität ein männlicher Schriftsteller produziert, desto mehr Partner und Kinder hat er. 3. Lyriker haben einen größeren Paarungserfolg als Nicht-Lyriker, da lyrische Sprache ein größeres Handicap darstellt als andere Sprachformen. 4. Das Schreiben von Literatur erhöht den Status eines Manns derart, dass unter seinem Nachwuchs ein zu¬gunsten des männlichen Geschlechts signifikant höherer Geschlechterproporz zu finden ist als in der Normalbevölkerung, wie die Trivers-Willards-Hypothese (Trivers & Willard, 1973) bei Anwendung auf Literatur vorhersagt. Um diese Hypothesen untersuchen zu können, wurden letztlich zwei sehr bekannte Literaturkanons ausgewählt. Umfangreiche biografische Recherche wurde durchgeführt, um für jeden Autor möglichst alle Paarungserfolge in Erfahrung zu bringen. Die erste Hypothese wurde bestätigt, die zweite, mit Lebensalter als Kontrollvariable, hinsichtlich Partnerzahl, aber nicht durchgehend hinsichtlich Kinderzahl. Letzteres wurde u.a. mit Bezug auf die Verfügbarkeit effektiver Kontrazeptiva, insbesondere im 20. Jahrhundert, diskutiert. Die dritte Hypothese wurde nicht zufriedenstellend bestätigt. Die vierte Hypo¬these wurde teilweise bestätigt. Im deutschen Kanon des 20. Jh. war der sekundäre Ge¬schlechterproporz zugunsten des männlichen Geschlechts signifikant höher als der für die Normalbevölkerung angenommene.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-2011102639462
Bemerkungen: 6 Videos zu dieser Dissertation siehe urn:nbn:de:hebis:34-2012030740869
Sammlung(en):Dissertationen

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