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KOBRA - Dokumentenserver der Universität Kassel  → Fachbereiche  → FB 05 / Gesellschaftswissenschaften  → Fachgruppe Geschichte  → Frühe Neuzeit   → Dissertationen 

Please use this identifier to cite or link to this item: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2089

Title: Ordnung hilffen. Vorreformatorische Geschlechterordnung: Erste deutsche Bibel und Der Ackermann aus Böhmen
Authors: Löhneysen, Margrit Freifrau von
???metadata.dc.subject.swd???: SpätmittelalterGöttliches RechtHeilZahlensymbolikQuerelles des femmesGenesis
???metadata.dc.subject.ddc???: 900 - Geschichte (Geography and history)
Issue Date: 17-Feb-2005
Abstract: Die Dissertation leistet einen Beitrag zur Konstruktion von Geschlechterverhältnissen in der Ehe vor der Reformation. Untersucht werden zwei Texte des 15. Jahrhunderts: Die sogenannte Erste deutsche Bibel (EDB) und die Dichtung Der Ackermann aus Böhmen von Johannes von Tepl. Die Wort-für-Wort-Analyse beider Texte hat aus der zeitgebundenen deutschen Sprachgestalt spezifi-sche Denkfiguren erschlossen. Zentral ist die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Gott und Menschen als Rechtsbeziehung Lehen. Das erste Kapitel analysiert und interpretiert die für Ehe- und Geschlechterkonzepte grund-legenden Aussagen von Genesis 1 - 4,1 und den Kanon der fünf Weisheitsbücher der EDB mit folgenden Ergebnissen: 1. Die EDB ist als Rechtsbuch zu lesen, dessen Zentrum die göttliche Herrschaft mit ihrer Rechts-ordnung ist. In diesem Rahmen wird für Mann und Frau die Ordnung Paar definiert. 2. Beide Geschlechter sind gleichwertig. Das kommt in ihren jeweiligen Handlungsfeldern (Werkordnungen) zum Ausdruck. 3. Der Begriff hilffen für die Ehefrau bedeutet Hilfe zum Heil ihres Mannes und eine spezifische Gottesnähe. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu Luthers Bibelübersetzung, welche die Frau als untergeordnete Gehilfin des Mannes gestaltet. (Anhang III stellt die EDB-Verse der Lu-therübersetzung von 1545 gegenüber.) 4. Der Sündenfall wird als Rechtsbruch beschrieben, der den Wechsel von der Schöpfungsord-nung im Paradies zur Weltordnung auslöst, die mit den Urteilen Gottes über Frau und Mann beginnt (Genesis 3). Die Urteile fassen die Ehe in einem Diagonalkreuz, welches vier Faktoren untrennbar verbindet: Herrschaft mit Unterordnung sowie hilffen (Gebären) mit Tod. Die Ge-schlechterunterschiede sind konstituierend für die Ehe im Diagonalkreuz. In der EDB lassen sich drei Paarkonstellationen unterscheiden: die Ehe im Diagonalkreuz zwischen dem guten weib und dem weisen Mann, die Ehe ohne Diagonalkreuz zwischen dem un-weib und dem unweisen Mann und die nichteheliche Geschlechterbeziehung zwischen dem gemeinem weib und dem ee-brecher. Das zweite Kapitel der Dissertation vergleicht die alttestamentarischen Ehekonzepte der EDB mit denen der Dichtung Ackermann aus Böhmen. Die rhetorische Form des Streitgesprächs zwischen Witwer und hern Tot zeigt die Struktur eines deutschrechtlichen Prozesses. In diesem Rahmen gewinnen die gegensätzlichen Aussagen über die Ehe die Bedeutung von Rechtspositionen, die in konträren göttlichen Herrschaftsordnungen verortet werden. Die vom Witwer vertretene Herrschaftsordnung beruht auf der alttestamentarischen Rechtsordnung der EDB, während die Positionen des hern Tot diese Rechtsordnung verkehren, indem er die Herrschaftsordnung der Welt als sein Eigen definiert. Ein weiteres Ergebnis des Vergleichs zwischen der EDB und dem Ackermann aus Böhmen ist, dass sowohl die alttestamentarischen Bücher als auch die Dichtung Rechtsfiguren präsentieren. Entscheidend sind in beiden Texten die Urteile Gottes, die jeweils einen Paradigmenwechsel kon-stituieren. In der EDB wird nach dem Sündenfall die (paradiesische) Rechtsordnung in die Rechtsordnung ee gewandelt. Im Ackermann wird die alttestamentarische Rechtsordnung ee der EDB durch die ordenung Tod ersetzt, mit der zugleich die Ordnung Paar nicht mehr gilt. Die Urtei-le Gottes in der EDB definieren das Paar als zweigeschlechtlichen Menschen, das Urteil im Ackermann charakterisiert zwei Einzelmenschen: Mann oder Frau. Damit wird die zentrale Bedeutung der Ehefrau als hilffen zum Heil ihres Mannes aufgehoben, weil die wechselseitige Angewiesenheit von Mann und Frau nicht mehr gegeben ist. Insofern ist hier ein wichtiger Schritt zum reformatorischen Eheverständnis zu erkennen.Through thorough linguistic comparative analysis of two fifteenth century texts: the First German Bible (Erste Deutsche Bibel, EDB) and the literary composition Der Ackermann aus Böhmen written by Johannes von Tepl, further supported by contemporary sources to confirm popular interpretations and understanding at the time, the definition of marriage before Reformation changed from dependance of man and woman on one another to indepedent co-existence, thus eventually setting the stage for women´s subordination to men as formulated by Luther. The work examines and interprets basic statements regarding concepts of gender and wedlock that are made in Genesis 1 through 4 and in the Kanon of the Four Books of Wisdom in the EDB (Kanon der vier Weisheitsbuecher). The EDB represents a collection of laws and rules constituing Gods legal order. The fall of mankind is a breach of Gods law triggering a shift from the order of creation ruling paradise to the world order, which is defined in Gods verdict. In this context mankind is defined as an inseparable couple consisting of man and woman. Although man and woman have different duties and resonsibilites, both genders are equally important. Husband and wife belong together and rely upon one another, for there can be no salvation outside matrimony. The term hilffen underlines the wifes importance and her nearness to God. In contrast, Luther adopted gendered language that deminises the wifes role and subordinates her to the husband. Appendix three juxtaposes the EDB and Luthers version of the Bible (from 1545) to offer an example how marital gender relations have different interpretaions through differing translations. Matrimony as described in the EDB is a diagonal cross binding together authority and voluntary subordination as well as hilffen (partuition) and death. Three types of couples can be distinguished: marriage as a bond between the good wife (gutes weib) and the wise man (weiser Mann), marriage binding the sub-wife (Unweib) to the unwise man and the extramarital relationships between the ordenary woman (gemeines weib) and the adulterer (ee-brecher). The concepts of wedlock in the Old Testament of the EDB and in the fiction Der Ackermann aus Böhmen are compared and examined. Ackermann, in new insight to the similarity to a contemporary German legal proceeding, disproves that the world order follows the order of matrimony, but instead is defined under the order of Death. The contradictory declarations about the nature of matrimony represent legal positions deriving from differing interpretations of God´s law. The widowers plea before the court is based on the rules defined in the Old Testament of the EDB: Death can not be allowed to take his wife away, since wedlock is supposed to be an inseperable bond. Death is claiming the world order as his own giving him the right to do as He pleases. A result of this examination is that both The Old Testament of the EDB and the fiction represent definitions of law. In both texts, God´s verdicts are of determining importance representing paradigm shifts. In the EDB, the order ruling paradise is replaced by by the order of matrimony (after the fall of man). In the fiction Ackermann this order of matrimony is exchanged by the law of Death. Whereas in the EDB a marriage represents a couple living as one, Death´s world order seperates mankind into two individuals: man and woman. With this change in definition the importance of the wifes role in her husbands salvation becomes obsolete because the dependance of man and woman on one another vanishes. In this respect this represents an important step towards the reformatory understanding of marriage.
URI: urn:nbn:de:hebis:34-2089
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